Nicht nur auf IT-Zertifikate schauen!

Wir sprachen schon davon, dass Software-Erstellen nicht nur Codieren ist. Ja – und im Requirements Engineering selbst geht’s auch nicht nur ums Spezifizieren oder „Knacken“ von Epics in User Stories! Gewiss – schriftliches Geschick und die nötige Präzision ist nicht ganz von Nachteil, aber z.B. mit einer „Sophist“-Sprachschablone kriegt man das sicher hin. Und UML/SysML oder BPMN lernt man mit der Zeit auch noch. Das sind keine Alleinstellungsmerkmale eines guten Business Analysten!

Was wirklich hohe Schule ist: Bei allen Widrigkeiten, wie Konzernhierarchien, Status- und Machtdenken, sowie nur eingebildeter oder tatsächlich vorhandener Kompetenz von Stakeholdern den Prozess so zu führen, dass mehr oder weniger alle mit den gefundenen Kompromissen leben können, keiner vor dem Rollout „von der Fahne geht“ oder jedes Sprint Review zum endlosen Palaver ausartet.

Denn nichts ist schlimmer für ein Softwareprojekt, als Stakeholder die ständig „etwas zu meckern“ oder gar innerlich gekündigt haben. Und das fällt letztendlich nicht nur dem Auftraggeber, sondern auch dem Dienstleister auf die Füße, weil er nämlich so die Wahrscheinlichkeit, das nächste Projekt zu erhalten, dramatisch senkt.

Für einen Software-Hersteller zahlt es sich also aus, in einen Consulter (sei es nun als Business Analysten oder Product Owner) zu investieren, der neben seinen fachlichen Fähigkeiten auch die psychologischen Skills nicht vernachlässigt hat. Denn neben allem CPRE, Scrum, ITIL, PRINCE2 und sonstigen nützlichen IT-Zertifikaten: Auch das kann man lernen, sich zertifizieren lassen und es damit auch beweisen. Niemand muss hier „die Katze im Sack kaufen“!

Ich setze hier seit 2002 auf NLP, das „Neuro-Linguistische Programmieren“ – weil es eine vergleichsweise hoch systematisierte und standardisierte Technik der Gesprächsführung ist, deren Skills deshalb gut erlern- und prüfbar sind. NLP ermöglicht es u.a. leicht, die gefürchteten „Transformationseffekte“ bei Interviews mit Stakeholdern zu erkennen und zu hinterfragen – diese Effekte wurden durch die Begründer von NLP, Richard Bandler und John Grinder, überhaupt erstmalig nachgewiesen.

Aber auch als Kreativtechnik oder zur Kompromissfindung zwischen Stakeholdern ist NLP sehr gut geeignet. Ein Beispiel dazu ist der sog. „Disney-Prozess“: Tatsächlich ist er auf Walt Disney zurückzuführen, der sich bei der Kreation einer neuen Geschichte in ein Arbeitszimmer begab, in dem es drei spezielle Sektoren gab:

– einen für den „Täumer“

– einen für den „Realisten“

-und einen für den „Kritiker“.

Durch das konsequente Versetzen in eine der drei Rollen – als NLP-Master initiiere ich diesen Vorgang über eine leichte hypnotische Sequenz – erlaubt sich der Stakeholder, z.B. in der Rolle des „Träumers“, einen kreativen Gedanken auch zuende zu denken, ohne dass der innere „Realist“ oder der „Kritiker“ dazwischen gehen. Das separate Ausagieren aller drei Rollen ohne gedankliche Vermischung führt zu neuen Erkenntnissen und Schlussfolgerungen und befördert damit nicht nur das Ermitteln von Begeisterungsfaktoren nach Kano, sondern kann auch Kompromisse finden und damit Konflikte zwischen Stakeholdern lösen helfen.

Um in der Übung zu bleiben erneuere ich nach einigen Jahren meine NLP-Ausbildung und -Zertifizierung bei einem der weltweit anerkannten NLP-Institute.